Kurzgeschichten

Kurzgeschichten öffnen oft Türen zu Themen, die mit einfachen Worten schwer greifbar sind. Durch eine Geschichte lassen sich komplexe Inhalte wie Selbstvertrauen oder Selbst liebe leichter vermitteln - vor allem für Kinder.

Mir "Familiengeflüster" nutzen wir die Kraft solcher Geschichten, um auf bedürfnisorientierte Weise Themen rund um Familie, Gefühle und Beziehungen greifbar zu machen

Kurzgeschichten öffnen oft Türen zu Themen, die mit einfachen Worten schwer greifbar sind. Durch eine Geschichte lassen sich komplexe Inhalte wie Selbstvertrauen oder Selbst liebe leichter vermitteln - vor allem für Kinder.

Mir "Familiengeflüster" nutzen wir die Kraft solcher Geschichten, um auf bedürfnisorientierte Weise Themen rund um Familie, Gefühle und Beziehungen greifbar zu machen

Lina & Bruno – Mutig genau so, wie wir sind

 

Tief im Wald, zwischen rauschenden Bäumen und moosbedeckten Felsen, lebte das kleine Eichhörnchen Lina. Sie war flink, ihre rotbraunen Pfoten huschten über die Äste, ihr buschiger Schwanz schwang bei jedem Sprung mit. Doch so mutig sie in den Bäumen war – unten, am Waldboden, fühlte sie sich klein.

„Ich bin nicht stark genug“, dachte Lina oft, wenn sie die Wildschweine durch das Unterholz stampfen sah oder den Dachsjungen Bruno beobachtete, der mit seinen kräftigen Pfoten tiefe Löcher graben konnte.

Eines Morgens, als Lina über den Bach hüpfen wollte, hörte sie ein wütendes Schnauben. Sie blickte nach unten und sah Bruno, der mit finsterem Blick auf einen umgestürzten Baum starrte, der quer über den Bach lag.

„Bruno?“ fragte sie neugierig.

Er sah nicht auf. „Die Rehe haben gesagt, ich sei zu schwer und zu langsam, um über den Baum zu balancieren. Dass Dachse nur graben und schlafen können.“ Seine Krallen gruben sich in die Erde. „Ich will ihnen zeigen, dass ich es kann!“

Lina kannte dieses Gefühl. Dieses Brennen im Bauch, wenn andere dachten, man wäre nicht genug.

„Lass es uns zusammen versuchen“, schlug sie vor.


Bruno schnaubte. „Du bist doch ein Eichhörnchen. Für dich ist das leicht.“

Lina schüttelte den Kopf. „Ich bin oben in den Bäumen sicher. Aber hier unten? Hier fühlt sich alles so … riesig an.“

Bruno sah sie überrascht an. „Du hast Angst, am Boden zu sein?“

Lina nickte.

Einen Moment lang schwiegen sie. Dann sagte Bruno leise: „Vielleicht kannst du mir zeigen, wie man balanciert, und ich zeige dir, wie man fest mit den Pfoten auf der Erde steht.“

Linas Augen leuchteten. „Abgemacht!“

Sie hüpften auf den Baumstamm. Lina zeigte Bruno, wie man die Arme – oder in seinem Fall die Vorderpfoten – ausbreitete, um das Gleichgewicht zu halten. Bruno zeigte Lina, wie man die Krallen leicht in das Holz grub, um sicher zu stehen.

Bruno schwankte. Der Stamm bebte unter seinem Gewicht. Doch er dachte an Linas Worte. Ich bin stark. Mit einem tiefen Atemzug setzte er eine Pfote vor die andere – und kam auf der anderen Seite an.

Lina stand noch immer auf dem Baumstamm. Ihr Herz klopfte. Der Waldboden wirkte so weit weg. Doch dann hörte sie Brunos Stimme: „Du kannst das. Deine Beine sind schnell und sicher.“

Lina atmete tief ein. Sie stellte sich vor, sie wäre auf einem Ast – einem Ast, der sich nicht bewegte. Dann machte sie einen Schritt. Und noch einen. Mit einem letzten Sprung landete sie neben Bruno.

Sie schauten sich an – und fingen gleichzeitig an zu lachen.

„Wir haben es geschafft!“ rief Lina.

„Wir waren mutig!“ sagte Bruno.

Lina lächelte. „Ja. Aber auf unsere eigene Weise.“

Bruno nickte. „Und genau so sind wir richtig.“

Seit diesem Tag wussten Lina und Bruno: Mut bedeutet nicht, alles zu können. Mut bedeutet, an sich selbst zu glauben – genauso, wie man ist.

Mia und Max – Das Abenteuer des Mutes

 

Es war ein magischer Frühlingstag, und die Sonne schien durch das dichte Blätterdach des Waldes. Die Vögel sangen ihre fröhlichsten Lieder, und der Wind spielte mit den Zweigen der Bäume. Mia und Max, die beiden Geschwister, hatten heute ein Abenteuer geplant, das aufregender war als alles, was sie bisher erlebt hatten.

„Max, bist du bereit?“, fragte Mia aufgeregt und hüpfte von einem Fuß auf den anderen. Ihr Blick funkelte vor Vorfreude, während sie zu dem alten Baumstamm hinüberblickte, der über einen glitzernden Bach führte. Der Baumstamm war riesig, und der Bach darunter plätscherte schnell und tief.


Max, der fünf Jahre alt war, stand etwas unsicher neben seiner großen Schwester. „Ich weiß nicht, Mia. Was, wenn ich falle? Was, wenn ich nicht rüberkomme?“ Er schaute ängstlich auf den Baumstamm und dann auf das sprudelnde Wasser unter ihm. „Ich will es wirklich versuchen, aber...“

Mia legte ihren Arm um Max' Schulter und zog ihn ein Stück näher zu sich. „Max“, sagte sie mit einem Lächeln, „glaubst du, dass wir zusammen alles schaffen können?“

Max nickte langsam, aber sein Herz klopfte schnell. „Ja, aber… der Baumstamm sieht so hoch aus. Ich habe wirklich Angst, dass ich runterfalle.“

„Weißt du, was ich immer sage, wenn ich etwas Angst habe?“, fragte Mia sanft. Sie nahm Max’ Hand und sah ihm tief in die Augen. „Ich sage mir: Ich bin mutig. Ich glaube an mich. Ich kann alles schaffen. Und das hilft mir, weil ich weiß, dass ich stark bin. Und wenn du fällst, Max, werde ich dich auffangen, das verspreche ich dir.

Max fühlte sich ein wenig besser. „Also gut, ich werde es probieren.“ Doch dann blinzelte er und dachte nach: „Aber was, wenn es nicht klappt? Was, wenn ich hinfalle und nass werde?“

Mia lächelte. „Dann wirst du wieder rauskrabbeln und es nochmal versuchen. Du bist stark, Max. Und du wirst es schaffen. Denk immer daran: Ich bin mutig. Ich kann alles schaffen.“

Max schloss die Augen, atmete tief durch und flüsterte zu sich selbst: „Ich bin mutig. Ich kann alles schaffen.“ Die Worte fühlten sich gut an, als würden sie ihm neue Kraft geben.

„Okay“, sagte Max schließlich. „Ich bin bereit. Ich kann es schaffen.“

Hand in Hand gingen die Geschwister zum Baumstamm. Der Wind rauschte durch die Bäume, als wollten sie Mia und Max ermutigen. Mia ging vor und stellte sich sicher auf den Baumstamm. „Sieh mal, Max! Es ist gar nicht so schwer. Du musst nur ruhig bleiben und an dich glauben. Du bist stark genug.“

Max nickte und setzte seinen ersten Schritt. Der Baumstamm wackelte ein bisschen, und Max’ Herz begann schneller zu schlagen. Ich kann das. Ich kann das. Immer wieder sagte er sich die Worte. Doch plötzlich wackelte er, verlor das Gleichgewicht und taumelte.

„Oh nein!“ Max schrie erschrocken und hielt sich an dem Stamm fest. „Ich kann das nicht!“

„Max, atme tief ein! Du bist stark. Du kannst das!“ rief Mia, die sich gleich umdrehte und ihm zur Seite stand. „Schau, du hast es schon fast geschafft! Du bist schon ein Stück weiter gekommen. Denk daran: Ich bin mutig. Ich vertraue mir.“

Max schloss die Augen, holte tief Luft und flüsterte die Worte, die Mia ihm gesagt hatte: „Ich bin mutig. Ich vertraue mir.“

Langsam, aber sicher, setzte er einen weiteren Schritt. Der Baumstamm schwankte unter seinem Gewicht, doch diesmal hielt er sich fest. Ein Lächeln breitete sich auf Max’ Gesicht aus. „Ich schaffe es!“ flüsterte er und setzte einen weiteren Schritt.

„Du bist fast da!“ rief Mia. „Nur noch ein Stück, Max. Du bist mutig, du bist stark, du kannst alles schaffen!“

Mit einem letzten, mutigen Schritt stand Max plötzlich sicher auf der anderen Seite des Baumstamms. „Ich hab’s geschafft!“ rief er vor Freude und hüpfte auf der Stelle. „Ich hab’s wirklich geschafft!“

Mia strahlte und klatschte begeistert in die Hände. „Du bist unglaublich, Max! Du hast es wirklich geschafft, weil du an dich geglaubt hast!“

Max fühlte sich, als könnte er die ganze Welt erobern. „Und weißt du was, Mia? Ich bin stärker als ich dachte! Ich bin mutig und ich kann alles schaffen!“

„Genau, Max!“ Mia nahm ihren Bruder in den Arm und drückte ihn ganz fest. „Und weißt du was noch? Du bist großartig, genauso wie du bist. Du bist perfekt! Jeder ist mutig auf seine eigene Weise. Du bist stark, genau wie ich!“

Max lächelte stolz. „Ich kann alles schaffen, Mia! Und du auch!“

„Und wir schaffen alles zusammen, weil wir ein Team sind“, sagte Mia, „und gemeinsam sind wir unschlagbar!“

Die beiden Geschwister sprangen Hand in Hand über die Wiese, voller Freude und Stolz. Sie hatten nicht nur den Baumstamm überwunden, sondern auch eine wichtige Lektion gelernt: Mit Mut, Vertrauen und Liebe können sie alles erreichen, was sie sich vornehmen.

Und von diesem Tag an wussten sie: Egal, wie groß das Abenteuer ist oder wie schwer es scheint – mit ein bisschen Mut und Zusammenhalt ist alles möglich. Denn sie waren stark, sie waren mutig und sie waren genau richtig, so wie sie waren.